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10 Dinge die jeder Mann tun kann 
um die Männergewalt zu beenden

Übersetzung und Adaption der kanadischen Vorlage von Romeo Bissuti

1. Zuhören und Lernen

Der Weg beginnt damit Frauen bzw. betroffenen Frauen zuzuhören. Wer weiss besser über die Männergewalt gegen Frauen Bescheid als Frauen, bzw. jene Frauen die dieseErfahrung machen mussten? Aus Studien wissen wir, dass weltweit 20 bis 50 Prozent der Frauen zumindest einmal in Ihrem Leben Opfer von Männergewalt sind.Lernen Sie etwas über diese Gewalt indem Sie in einem respektvollem Rahmen eine Frau, die Ihnen vertrauen kann, fragen, wie die Bedrohung durch männliche Gewalt Ihr Lebenbeeinflusst. Wenn sie sich danach fühlt darüber zu sprechen, hören sie einfach zu. Es ist dabei nicht ihre Aufgabe, sie nach Details auszufragen oder darüber zu diskutieren, ob sieüber etwas besorgt hätte sein sollen oder nicht. Es geht nur darum zuzuhören. Wenn die Frau ihnen erzählt, dass etwas sie verletzt hat, dann hat sie dies verletzt.Informieren sie sich über Materialien von lokalen Frauenorganisationen. Diese haben bezüglich Männergewalt jahrzehntelange leidvolle Erfahrung. Sprechen sie mitMitarbeiterinnen, lesen sie deren Publikationen oder unterstützen sie diese mit einer Spende. In jedem Fall sollten sie bereit sein, aus dieser Begegnung und dem Zuhören etwas zulernen.

2. Informieren Sie sich über das Problem der Männergewalt

Gewalt gegen Frauen hat viele Formen. Sie reicht von körperlichen und sexuellen Angriffen, über sexuelle Belästigung bis hin zu seelischem und emotionalem Missbrauch. Nichtjede Gewalttat hinterlässt sichtbare Spuren. Bei emotionaler Gewalt etwa, handelt es sich um eine Bandbreite von Taten, etwa regelmässige Erniedrigung durch sexistischeAnspielungen oder unterdrückend-dominantes Verhalten von Männern.Manche Formen seelischer und körperlicher Gewalt richten stärkere Schäden an als andere. Aber all diese Formen der Gewalt verweisen auf die reale Angst und das reale Leid dasFrauen in unserer Gesellschaft ertragen müssen. Grundlegende menschliche Rechte, die für die Gruppe der Männer alltäglich sind - Sicherheit in ihrem Heim, angstfrei abendsalleine auszugehen, einen Arbeitsplatz ohne sexistische Belästigungen - sind für viele Frauen auf der Wellt alles andere als selbstverständlich.Die Angst der Frauen ist gerade zu Hause, in ihrem Heim oft am grössten. Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass die Gewalt gegen Frauen meist von Fremden begangen wird. In der Tatdroht den Frauen die grösste Gefahr von Männern die sie gut kennen - von Ihren Ehemännern, Partnern, Freunden, Vätern, Vorgesetzten und Arbeitskollegen.Die meisten Männer lieben und sorgen sich um Frauen. Und dennoch gibt es eine erschreckende Zahl an Männern, die Gewalt gegenüber jenen Frauen ausüben, die sie vorgeben zulieben. Dies geschieht weltweit, quer durch alle Bevölkerungsschichten, unabhängig davon welcher Nationalität oder Religion sie angehören.

3. Informieren Sie sich darüber warum Männer Gewalt ausüben

Männer sind nicht von Natur aus gewalttätig. Es gab in der Geschichte viele Gesellschaften mit wenig oder ohne Gewalt. Studien haben ergeben, dass es etwa in vielen traditionellenGesellschaften, keine oder kaum Gewalt gegen Frauen, Kinder oder auch Männer gegeben hat. Darüberhinaus sind auch heute die Mehrzahl aller Männer nicht körperlichgewalttätig. Gewalt auszuüben ist etwas das Männern beigebracht wird, etwas das Männer lernen. Männliche Gewalt ist das Ergebnis der Art und Weise, wie viele Männer gelernthaben ihr Mann-Sein gegenüber Frauen, Kindern und anderen Männern in Szene zu setzen. Viele Männer entwickeln dabei die Vorstellung einer spezifischen männlichenÜberlegenheit, mit dem eingebildeten Recht andere Menschen unterdrücken und kontrollieren zu können. Innerhalb dieser Weltanschauung erscheint Gewalt als legitimes Mittel dieeigenen Interessen gegen andere Menschen durchzusetzen.Die meisten individuellen Gewaltakte von Männern sind ein aggressiver Versuch, Kontrolle über Frauen, Kinder oder andere Männer zu bekommen. Paradoxerwesie wird gerade anden Gewalttaten eine Kombination aus persönlicher Schwäche, Unsicherheit und geringem Selbstvertrauen sichtbar, die mit körperlicher und verbaler Dominanz versucht wirdauszugleichen, in der Überzeugung, dass Männer das herrschende Geschlecht seien.Frauen sind natürlich ebenfalls nicht immun dagegen Gewalt auszuüben. Frauenorganisationen haben wiederholt vor allem auf das Problem der Gewalt gegen Kinder hingewiesen,die sowohl von Männern als auch von Frauen begangen wird (wobei allerdings sexueller Missbrauch von Kindern nahezu ausschließlich Männern anzulasten ist). Frauen könnennatürlich auch gewalttätig gegenüber Männern und anderen Frauen sein, dies ist aber im Vergleich zur männlichen Gewalt weitaus seltener.Bei vielen gewalttätigen Vorfällen ist auch Alkohol im Spiel. Dies könnte damit zusammenhängen, dass unter Alkoholeinfluss starke Gefühle von Angst, Wut und Unsicherheit freiwerden können, womit Männer, die ansonsten ihre Gefühle unterdrücken, nicht umgehen können.Alkohol alleine verursacht aber noch keine Gewalt. Auch die Gene verursachen keine Gewalt. Auf den Punkt gebracht liegt das Problem in der Absicht gewalttätiger Männer, Frauenzu beherrschen, wie es auch die Absicht ist über Kinder oder andere Männergruppen zu dominieren: Gewalt ist ein Mittel um Macht, Privilegien und Kontrolle zu bekommen.

4. Tragen Sie eine weisse Schleife

Ein Wechsel kann nur dann stattfinden, wenn jeder sich persönlich für diese Veränderung verantwortlich fühlt. Wenn es den Männern ein Anliegen ist, den Frauen in Ihrem Lebenmit Achtung und Respekt zu begegnen, so gehört dazu auch die Mitverantwortung, dass Frauen frei von Gewalt bzw. Angst vor Gewalt leben können.Um den 25. November tragen jedes Jahr Männer auf der ganzen Welt eine weisse Schleife - den White Ribbon - um damit ihr geschlossenes Engagement zur Beendigung vonMännergewalt zum Ausdruck zu bringen. Die Schleife ist ein Zeichen für das Versprechen, niemals Gewalt gegen Frauen anzuwenden. Es ist weiters ein Zeichen dafür, dass manndiese Gewalt nicht stillschweigend dulden wird und sich nicht mit den Tätern verbündet, die oft meinen, Frauen hätten sich die Gewalt "verdient". Die Schleife ist ein Zeichen für dasEnagagement das Schweigen zur Männergewalt zu durchbrechen und andere Männer dazu zu bewegen mitzuhelfen diese Gewalt zu beenden.Über das Tragen der Schleife soll es zum Gespräch und zur Diskussion mit anderen Männern kommen, Männer sollen über ihre Einstellungen nachzudenken beginnen. Wenn dieSchleife Gespräche erzeugen kann, so können diese Gespräche eine Veränderung hervorbringen.

5. Verurteilen Sie sexistische Sprache und Scherze in denen Frauen herabgewürdigt werden

Sexistische und Frauen herabwürdigende Sprüche und Sprechweisen tragen wesentlich zu einem Klima bei, in dem Gewalt gegen Frauen akzeptabel erscheint. Diese Sprache istAusdruck einer gesellschaftlichen Position der Frauen, in welcher sie als Wesen zweiter Klasse erscheinen. In sexistischer Sprache wird diese "zweitrangige" Position von Frauen inunserer Gesellschaft bestätigt, auch wenn das nicht die unmittelbare Absicht war.Es fällt Männern oft schwer sexistisches und Frauen herabwürdigendes Verhalten anderer Männer zu verurteilen und zu sanktionieren, etwa wenn Männer leichtfertig über Gewaltgegen Frauen sprechen oder gar die eigene Gewalt rechtfertigen.

6. Seien Sie aufmerksam gegenüber sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, in Schule und Familie und bringen Sie ihre Ablehnung zumAusdruck

Unter sexueller Belästigung werden unpassende und unerwünschte sexuelle Annäherungsversuche, auf die Sexualität abzielende Bemerkungen, Kommentare und Verhaltenverstanden, die von der angesprochenen Person unerwünscht sind. Flirten und Scherzen sind gut und in Ordnung wenn es in freier Übereinstimmung geschieht und von beidenBeteiligten erwünscht wird. Sexuelle Belästigung aber vergiftet das Klima.Diese Belästigung ist letzten Endes ein Ausdruck der realen Machtunterschiede zwischen denGeschlechtern. Wenn die selbe Handlung von einer Frau ausgeübt wird, so stört dies Männer in den meisten Fällen nicht, da in unserer Gesellschaft im allgemeinen Männer mehrMacht über Frauen haben als umgekehrt.Männer können sich gemeinsam mit Frauen gegen sexuelle Belästigung engagieren und Initiativen am Arbeitsplatz oder in der Schule unterstützen, die sich für ein faires undgewaltfreies Klima einsetzen.

7. Unterstützen Sie lokale Frauenorganisationen

Auf der ganzen Welt haben Frauen Anlauf- und Hilfsstellen für die Opfer der Männergewalt geschaffen: Frauenhäuser, Notrufstellen bei Vergewaltigungen, Beratungs- undTherapiestellen u.v.m.. Frauen die aus gewalttätigen Situationen fliehen, sind auf diese Stelle angewiesen.Diese und weitere Institutionen verdienen auch und gerade dieUnterstützung von Männern, sowie deren finanzielle Hilfe. Die White Ribbon Kampagne ruft Männer dazu auf, Gelder für Fraueneinrichtungen zu sammeln oder zu organisieren.

8. Denken Sie darüber nach inwiefern Sie mit ihrem eigenem Verhalten am Problem der Männergewalt beteiligt sind

Wenn Sie jemals physische Gewalt gegen eine Frau ausgeübt haben, wenn Sie jemals einen sexuellen Angriff begangen haben, wenn Sie jemals Ihre Frau oder Freundingeschlagen, gestossen oder getreten haben, so sind Sie Teil des Problems.Wenn dies vor langer Zeit geschehen ist, begreifen Sie, dass das was sie getan haben, falsch war und versuchen sie unbedingt ihr Verhalten in Zukunft zu ändern. Wenn diesesVerhalten auch nur die geringste Chance hat wiederzukehren und sich zu wiederholen, dann sollten sie sich so schnell als möglich Hilfe suchen, um zu den Ursachen des Problemsvorzudringen. Warten Sie nicht zu, bis es wieder passiert. Handeln sie jetzt.Viele Männer sind niemals physisch oder sexuell gewalttätig gegenüber Frauen. Dennoch sollten alle Männer darüber nachdenken in welcher Weise Sie möglicherweise Kontrolleüber Frauen aufrechterhalten. Folgende Fragen können hilfreich sein: Dominiere ich in Gesprächen über andere Frauen? Mache ich deren Meinung häufig herunter? Schränke ichFrauen in Ihrer Bewegungsfreiheit ein?Egal ob Sie persönlich gewalttätig waren oder es niemals sein werden, alle Männer müssen beginnen sich mitverantwortlich dafür zu fühlen, dass die Gewalt gegen Frauen einrasches Ende findet.

9. Denken Sie in langfristigen Lösungen

Die Beendigung von Männergewalt wird nicht über Nacht geschehen. Echte Lösungen sind auch immer langfristige Lösungen, grundlegende Veränderung braucht Zeit. Die Gewaltgegen Frauen hat mit der Ungleichstellung der Geschlechter zu tun und mit der Art und Weise wie Männer lernen ein ‚richtiger Mann' zu sein.Gesetzliche Massnahmen die gegen Männergewalt vorgehen (etwa als Bestimmung bezüglich Vergewaltigungen oder häuslicher Gewalt), sind ein wichtiger Beitrag. Polizei undGerichtshöfe sind dazu aufgefordert entsprechende gesetzliche Bestimmungen entschieden zu unterstützen.Aber das ist nicht genug. Wir wollen gemeinsam für eine Veränderung unserer Einstellung und unseres Verhaltens arbeiten. Wir wollen gegen Institutionen vorgehen, die dieUngleichheit zwischen Männern und Frauen aufrechterhalten. Wir wollen Männern helfen ‚bessere' Männer zu werden, indem Sie ihre Einstellungen und Verhaltensweisen ablegen,in denen Männlichkeit bloss mit Macht und Kontrolle verbunden wird. Wir wollen uns für bessere Beziehungen der Männer zu Frauen, Kindern und anderen Männern einsetzen.Wir wollen Männer als sorgsame Lebensbegleiter und wertvolle Menschen gewinnen.

10. Engagieren Sie sich an der Bewusstseins und Öffentlichkeitsarbeit der White Ribbon Kampagne

Die White Ribbon Kampagne ist die weltweit grösste Bewegung von Männern die für die Beendigung der Männergewalt arbeitet. Diese Bewegung ist eine gesellschaftlicheBasisbewegung und lebt zum grössten Teil von der ehrenamtlichen Mitarbeit. Da es eine Kampagne ist, die gerade das Verantwortungsbewusstsein von Männern für dieMännergewalt erhöhen will, ist es hauptsächlich eine von Männern betriebene Kampagne. Darüberhinaus wird natürlich Hilfe und Unterstützung auch von Frauen begrüsst.Neben der Organistation der jährlichen White Ribbon Woche im November (eine Woche ab dem 25. November), können Unterstützer eine Menge tun, um dem Ziel einen Schrittnäher zu kommen: sie können Vorträge in Schulen, Gemeinden oder am Arbeitsplatz halten bzw. organsieren. Sie können Geld für Frauenorganisationen sammeln. Sie könnenspezielle Veranstaltungen organisieren auf denen alternative und positive Rollenbilder für Männer diskutiert werden. Sie können sich z.B. mit anderen Männern über die Bedeutung gesunder und gewaltfreier Beziehungen unterhalten. Sie können eine lokale White Ribbon Kampagne für den Ort, Stadtteil oder Bezirk beginnen. Sie können natürlich auch bereitsbestehende White Ribbon Projekte finanziell unterstützen. Wir bitten Sie uns bei Interesse zu kontaktieren. White Ribbon Österreich.

http://www.whiteribbon.at/

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